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Seit wann, bitte, geht Offenbach zur Schule?

„Meine Kindheit hat man mir in der Plamannschen Anstalt verdorben, die mir wie ein Zuchthaus vorkam. (...) Wenn ich aus dem Fenster ein Gespann Ochsen die Ackerfurche ziehen sah, musste ich immer weinen vor Sehnsucht nach Kniephof. In der ganzen Anstalt herrschte rücksichtslose Strenge.“

(Reichskanzler Otto von Bismarck über seine Schulzeit)

Graf Johann Philip war es leid: In seiner Stadt konnten nur wenige Menschen Lesen und Schreiben. Handel und Gewerbe ging es schlecht. Er selbst hatte deswegen nur wenig Geld zur Verfügung. Es musste etwas passieren. 1690 gründete er die erste Lateinschule, die ersten Schüler wurden im Pfarrhaus unterrichtet. Das befand sich dort wo sich heute der Komplex der Rudolf-Koch-Schule erstreckt. Im 18. Jahrhundert geriet die Schule in Schwierigkeiten; es kamen nur noch wenige Schüler. Aber es ging weiter, Ende des 18. Jahrhunderts wurden neben den bisherigen Hauptfächern Latein und Theologie auch Mathematik, Englisch, Französisch, Geschichte und Geografie unterrichtet. 1816 kassierten die Darmstädter Großherzöge Offenbach ein, das Schulsystem wurde in den kommenden Jahren reformiert. Offenbach entwickelte sich zur Industriestadt; Aufgabe der Schule sollte sein dieser Entwicklung zu dienen: Technologische und kaufmännische Kenntnisse sollten vermittelt werden, die Schule wurde zur Realschule. Im Gegensatz zum Humboldtschen Bildungsideal, das zu dieser Zeit vorherrschte.

Nach der Gründung des deutschen Reiches gab es einen weiteren industriellen Schub, die Schule wurde zum Realgymnasium, die Stadt wuchs beträchtlich. Die Schülerzahlen explodierten und so wurde an der Parkstraße neu gebaut: Ein prächtiger neobarocker Bau entstand, 1909 war die Einweihungsfeier. Erster Weltkrieg 1914 bis 18, Weimarer Republik, 1933 wurde Hitler Reichskanzler: Politisch gewollt war nun die Oberschule, in der gehorsame Untertanen erzogen werden sollten. Trotzdem regte sich auch in Offenbach ein wenig Widerstand, der spätere RKS-Schulleiter Dr. Grünwald war eine zentrale Figur.

Nach Ende des zweiten Weltkriegs wurde an das humanistische Bildungsideal angeknüpft, die RKS kam 1957 als Gymnasium zurück in einen Neubau an der Schlossstrasse. Ab 1960 wurden Jungen und Mädchen gemeinsam unterrichtet. Mit der Einführung der Förderstufe verlor die Schule 1981 ihre 5. und 6.Klasse. Die Pläne, die RKS in eine reine Oberstufenschule umzuwandeln, zerschlugen sich glücklicherweise durch eine Änderung der kommunalpolitischen Verhältnisse. 2002/03 wurden die 5. und 6. Klassen wieder eingeführt. Durch diese Entscheidung ist der Bestand der RKS gesichert worden und im November 2011 wird die umfassend sanierte RKS mit Cafeteria eingeweiht.